Unternehmertag der IHK in Wittenberge drehte sich um Logistik / Kritik an Ramsauer-Plänen
WITTENBERGE - Im Grunde läuft es für die brandenburgische Wirtschaft derzeit nicht schlecht. Das ergab nach zahlreichen ähnlichen Untersuchungen auch die Befragung der Industrie- und Handelskammer Potsdam unter ihren nicht eben für überschwänglichen Optimismus bekannten Mitgliedern. Beim 5. Unternehmertag der IHK in der Alten Ölmühle zu Wittenberge lobte gestern IHK-Präsident Victor Stimming den Vergleich zur A 14 (MAZ berichtete) und die Entwicklung der Geschäfte in den Mitgliedsunternehmen. „Wenn die übliche Einschätzung der Zukunftsperspektiven bei 100 liegt, verzeichnen wir jetzt einen Wert von 133“, sagte Stimming.
Allerdings droht Gefahr. Der IHK-Präsident sprach von einem „bestürzenden Moment“, als die Pläne von Bundesverkehrsminister Ramsauer bekannt wurden, die Elbe zur Nebenstrecke herabzustufen. Er sehe die Gefahr, dass die östlichen Bundesländer von der Entwicklung der Wasserstraße abgehängt würden.
Henning Heidemanns, Staatssekretär aus dem Wirtschaftsministerium, lobte die Entwicklung der Logistikbranche in Brandenburg: „Wir sind die zweitstärkste Logistikregion in Deutschland, und Deutschland ist der weltweit führende Logistikstandort.“ Dennoch müsse man sich auf die Entwicklungen der Zukunft einstellen. „Mit dem Ende der gegenwärtigen Förderperiode wird es einen drastischen Rückgang der Investitionsmittel geben“, sagte Heidemanns. Das Thema, dem die Bundesregierung derzeit herausragende Bedeutung beimesse, sei die Energiepolitik. Trotz eines großen Bedarfs müssten Mobilität und Logistik dahinter zurückstehen. „Das Thema Wasserstraße ist daher ein bisschen notleidend“, meinte der Staatssekretär. Für die Wasserstraße werde es künftig im Wesentlichen nur noch um Bestands-erhaltung gehen. „Die Durchgängigkeit der Wasserstraße für das Standardschiff werden wir wohl nicht bekommen“, prophezeite Heidemanns, Investitionchancen seien „überschaubar“.
Über den grünen Klee lobte hingegen Hans Szymanski, Vorstandssvorsitzender der Francotyp-Postalia Holding AG, den Standort Wittenberge. Bei der Suche nach einem Ort für die Produktion eines neuen Frankiersystems habe die Prignitzstadt Chikago, Singapur und 40 deutsche Städte ausgestochen. „EIn Faktor war sicherlich die logistische Anbindung“, sagte Szymanski.
Ex-Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) warnte vor einer „Rückwärtsbewegung“ im Mix der Verkehrswege. „Mit großer Sorge sehe ich, dass sich die Bundesregierung vom Masterplan verabschiedet hat, mehr Verkehr von der Straße auf die Schiene zu bringen“, sagte der heutige Bundestagsabgeordnete. Investitionen in die Wasserstraße seien an Klassifizierungen gebunden, „und wenn ich das neue Konzept sehe, schwant mir Böses“, meinte der Politiker. Auch im „Kampf für die A 14“ dürften die regionalen Akteure keineswegs nachlassen. Denn, „es sieht zwar so aus, als ob die A 14 auch in den neuen Bundesverkehrswegeplan kommt, aber die Konkurrenzen dabei sind sehr groß“. Die Abstufung der Elbe halte er für einen Fehler, weil damit das Erreichen der deutschen Klimaziele erschwert werde.
Etwas weniger dramatisch sah Rolf Lack , stellvertretender Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Elbstromgebietes, die Situation. „Unsere Hauptforderung war stets, die Schiffbarkeit der Elbe bei einem gleichmäßigen Wasserstand von 1,60 Meter an mindestens 345 Tagen im Jahr zu gewährleisten“, sagte der Baudirektor a.D. Dieses Ziele habe die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung „zu 95 Prozent“ erreicht. Dass die Buhnen entlang der Reststrecken, unter anderem 13 Flusskilometer bei Dömitz, nach dem neuen Ramsauer-Konzept nicht verlängert werden können, hält Lack vor allem für „unökologisch“. Das zwinge die Wasser– und Schifffahrtsverwaltung dazu, den Flussgrund permanent auszubaggern. „Wir fordern daher von der Bundesregierung, das ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet wird.“ (Von Andreas König)

